Amazon nur in der Wahrnehmung der günstigste Anbieter, tatsächlich zum Teil deutlich teurer - Sellics

Amazon nur in der Wahrnehmung der günstigste Anbieter, tatsächlich zum Teil deutlich teurer

By Konstantin Pannicke in Amazon Updates Last updated on

In der Wahrnehmung vieler Händler geht es bei Amazon immer nur darum, den günstigsten Preis anzubieten. Mehrfach haben wir bereits darauf hingewiesen, dass diese Wahrnehmung nicht richtig ist und dass es bei Amazon deutlich mehr Möglichkeiten gibt, seinen Erfolg zu steigern als nur den Preis zu senken (z.B.hier). Eine neue Studie vom US-Startup Boomerang unterstützt unsere These und zeigt, dass Amazon weder immer noch bei jedem Produkt der günstigste Anbieter im Markt sein will. Vielmehr besteht die Preisstrategie von Amazon darin, nur bei den prominentesten Schnelldrehern die Preise konsistent unter den Marktpreis zu setzten. Bei den restlichen Produkten liegen die Preise von Amazon zum Teil deutlich über dem Marktpreis (siehe Re/Code).

Demnach möchte Amazon gar nicht der tatsächlich günstigste Anbieter sein, sondern nur als günstigster Anbieter wahrgenommen werden. Im diese Wahrnehmung beim Endkunden zu schaffen reicht es offensichtlich aus, nur bei den beliebtesten Produkten der günstigste Anbieter zu sein. Bei den restlichen Produkten wird dann ordentlich Geld verdient.

Nach dem Buch von Brad Stone über die Entwicklung von Amazon war das ursprüngliche Ziel von Jeff Bezos nicht, den weltweit günstigen Shop zu gründen. Vielmehr ging es ihm in den Anfangsjahren vor allem darum, den Shop mit dem größten Sortiment der Welt zu erschaffen („the everything store“ dt. etwa „das Geschäft für Alles“). Erst bei einem Treffen mit dem damaligen Walmart CEO Lee Scott im Jahr 2000 wurde Bezos klar, dass die so erfolgreiche Marketingstrategie von Walmart eigentlich eine Preisstrategie ist, nämlich „everyday low prices“ (dt. „jeden Tag niedrige Preise“). Diese „Marketingstrategie“ hat Bezos seitdem für Amazon übernommen und wie es scheint perfektioniert.

Was bedeutet das für Händler? Die gute Nachricht ist, dass es bei Amazon – wie von Marketplace Analytics bereits mehrfach berichtet – tatsächlich nicht nur um günstige Preise geht. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass der Preis scheinbar umso relevanter wird, je populärer ein Produkt ist. Davon sind insbesondere Zwischenhändler betroffen. Diese haben üblicherweise geringe Margen und sind deshalb auf ein hohes Volumen angewiesen. Hersteller/Marken sind von der Preisstrategie von Amazon nicht direkt betroffen, schließlich können sie selbst über die Preissetzung entscheiden. Sollten Zwischenhändler also dieselbe Preisstrategie wie Amazon anwenden? Dies wird nur bedingt klappen. Amazon profitiert von den niedrigen Preisen, da die Kunden (sofort oder später) bei Amazon ein teureres Produkt kaufen. Zwischenhändler haben diese Sicherheit nicht. Vielleicht kauft ein Kunde zufälligerweise das teurere Produkt wieder beim gleichen Händler ein, vielleicht aber auch nicht. Händler können sich darauf nicht verlassen, sondern müssen bei jeder Bestellung profitabel sein. Bei Schnelldrehern mit niedrigen Preisen müssen sich Händler also die Frage stellen, ob sie bei den niedrigen Preisen mithalten können. Falls nicht könnte es sich lohnen, einige dieser Produkte aus dem Sortiment zu entfernen und sich dafür auf wenige Schnelldreher zu fokussieren. Bei diesen können dann über größere Mengen niedrigere Einkaufspreise erreicht werden.

Sellics jetzt kostenlos testen!

14 Tage kostenlos testen Endet automatisch